Qualitative Aufrüstung der UMTS-Netze

IMS – Ernüchterung nach dem Hype?

Konferenz MCTA zeigt neue Ansätze beim IP Multimedia Subsystem

Die qualitative Aufrüstung der Mobilfunknetze war ein Thema der Konferenz MCTA 2009. War IMS bisher häufig nur für große Mobilfunkanbieter ein Thema, wurde auf der MCTA ein Ansatz vorgestellt, der die Relevanz des Themas für kleinere MNO steigern könnte. Geleitet wurde die Konferenzsession von Dr. Beate Rickert.

Berlin/Augsburg – Während die UMTS-Datenübertragungsraten stetig steigen, steht die qualitative Aufrüstung der Netze bisher eher zurück. Zentrales Element ist hier das IP Multimedia Subsystem (IMS), das im Wesentlichen im UMTS Release 5 verankert ist. Nachdem mittlerweile nahezu alle Netzbetreiber im In- und Ausland Piloten und Trials zu IMS realisiert haben, es aber nach wie vor nur vereinzelte flächendeckende Installationen gibt, stellt sich die Frage, ob IMS überhaupt noch eine Marktchance hat. Auf der 9. Konferenz Mobile Communications – Technologien und Anwendungen (MCTA 2009) diskutierten zu diesem Thema Stefan Berg, Senior IMS Expert bei Detecon International und Sven Bolthausen, Vice President Multimedia & Systems Integration, Ericsson. Geleitet wurde die Session von der IT- und TK-Expertin Dr. Beate Rickert, Geschäftsführerin der KPR Capital GmbH aus Frankfurt, die diesen Teil der Konferenz MCTA in Zusammenarbeit mit der Forschungsgruppe wi-mobile ins Leben gerufen hatte.

Bisher vor allem eine Domäne großer MNO

Getrieben werden die wenigen aktuellen IMS-Deployments vorrangig durch die großen Festnetzbetreiber und die früheren Incumbents, die über einen sehr großen Kundenstamm verfügen. „Aufgrund der Komplexität der Integration in BSS- und OSS-Systeme sind kleinere Netzbetreiber häufig schon mit der IMS-Installation überfordert. Sie sind dazu gezwungen, einen System Integrator mit der Umsetzung zu betrauen. Das führt wiederum zu der Frage der Amortisation der diesbezüglich erforderlichen Investitionen“, so Dr. Beate Rickert.

Lösungen für kleinere Netzbetreiber

Dieses Problem wird durch ein neues Angebot von Ericsson adressiert, das ein abgespecktes IMS-Angebot speziell für kleinere Netzbetreiber vorsieht, wie auf der MCTA erstmalig bekannt gegeben wurde. Aber auch in diesem Falle dürfte eine klar definierte Roadmap der Applikationen, welche der Netzbetreiber über die nächsten Jahre auf der Basis von IMS realisieren will, zwingende Voraussetzung für einen positiven Business Case sein.

MNO-Geschäftsprozesse als Inhibitor

Einer aktuellen IMS-Studie der Forschungsgruppe wi-mobile zufolge, in der IMS-Experten der Mobilfunkanbieter aus Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt wurden, könnte IMS als Vorläufer der All-IP-Netze etwa 2012 flächendeckend eingeführt sein. Die Experten gehen mehrheitlich davon aus, dass der Markt zwar faktisch reif sei, aber „mental nicht umgesetzt“ werden könne. Hindernisse seien dabei eine zu technikzentrierte Sicht und die Schwierigkeit, die Geschäftsprozesse traditioneller Mobilfunkanbieter so zu flexibilisieren, dass die Vorteile des IMS in Effizienz- und Effektivitätsgewinne umgesetzt werden können. Die Veröffentlichung der vollständigen wi-mobile-Studie ist für April geplant.

Konferenz MCTA 2010

Die technische Weiterentwicklung der Mobilfunknetze wird auch Thema der 10. Konferenz MCTA sein, die am 01. und 02. Februar 2010 in Berlin stattfinden wird. Weitere Informationen werden zeitgerecht unter www.mcta.de verfügbar sein.