Entwicklung des Mobilfunkmarktes

Der Mobilfunkmarkt unterliegt starken technologischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Wandlungsprozessen. Durch die zunehmende Liberalisierung des Mobilfunksektors und die steigende Wettbewerbsdynamik treten immer mehr neue Mobilfunkanbieter in den Markt ein. Als Folge dieser Marktveränderungen hat nicht nur die Marktsättigung zugenommen, sondern sind auch die Preise für den Endkunden stark gesunken. Der damit einhergehende starke Preisverfall und die zunehmende Mobilfunk-Penetrationsrate haben Betreiber von Mobilfunknetzen (Mobile Network Operator, MNO) dazu veranlasst, sich stärker auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren und Partnerschaften einzugehen. Aus diesem Grund sind diese auf der Suche nach neuen Geschäfts- und Erlösmodellen, um eine langfristige Gewinnmaximierung zu erreichen. Dabei streben MNO einerseits nach Netzabdeckung und Kapazitätswachstum in Entwicklungsländern und andererseits nach Kostenoptimierung und technischer Weiterentwicklung in gesättigten Märkten.

MNO stehen inzwischen vor der Aufgabe, neue wettbewerbspolitische Positionierungen zu entwickeln, mit denen sie ihre Wertschöpfung durch neue Dienste für Mobilfunknutzer sowie Dienste zur Transaktions- und Geschäftsprozessunterstützung für Unternehmen erweitern können. Aufgrund der damit verbundenen Ressourcenknappheit sowie der Lizenzkosten für neue Netze und den sinkenden Gewinnmargen sind MNO auf eine Rekonfiguration ihrer Wertschöpfungsstrukturen und -strategien angewiesen. Eine Möglichkeit stellt in diesem Zusammenhang das Outsourcing dar. Bereits im Zuge der Modularisierung der 2G-Netze haben Infrastrukturlieferanten von Mobilfunknetzbetreibern, wie z. B. Nokia Siemens Networks oder Alcatel-Lucent, begonnen, ihr Serviceangebot zu diversifizieren und neben der Entwicklung auch den operativen Betrieb der Netzinfrastruktur zu übernehmen.

E-Plus hat beispielsweise als erster MNO in Deutschland den Ausbau, die Wartung und den Betrieb der Netzinfrastruktur an Alcatel-Lucent ausgelagert. Weitere internationale Beispiele sind die Outsourcing-Kooperationen zwischen Bharti Airtel und Ericsson in Indien, Orange und Nokia Siemens Networks sowie Hutchison 3G und Ericsson in Großbritannien, T-Mobile und Ericsson in den Niederlanden sowie Unwired und Ericsson in Australien. Darüber hinaus kooperieren verschiedene MNO auf horizontaler Ebene miteinander, um sich die Kosten für den Netzinfrastrukturbetrieb zu teilen. So sind beispielsweise Vodafone und Telefónica in Deutschland, Spanien, Irland und Großbritannien Kooperationen zum Network Sharing eingegangen. Vodafone betreibt zudem in mehreren Ländern eine gemeinsame Netzinfrastruktur mit anderen MNO, wie z. B. mit Orange in Spanien und Rumänien.

Des Weiteren hat sich mit der Einführung von 3G der Fokus vom traditionellen Netzzugang und einfachen Sprachdiensten zunehmend zu Mehrwertdiensten und somit von den MNO zu telekommunikationsfremden Unternehmen verschoben. Dabei rücken Wertschöpfungselemente wie Vertrieb, Marketing und Kundenservice stärker in den Mittelpunkt. In diesem Bereich liegen die Kernkompetenzen der virtuellen Mobilfunknetzbetreiber  (Mobile Virtual Network Operator, MVNO), die sich insbesondere durch vorhandene Vertriebskanäle und Kunden auszeichnen. Als Folge lässt sich daher vermehrt die Übernahme von traditionellen Wertschöpfungselementen des MNO durch branchenfremde Unternehmen und die Marktentwicklung weg von der klassischen vertikal integrierten Wertschöpfungskette hin zu einem Wertschöpfungsnetzwerk verfolgen. Die Rollen der Marktteilnehmer werden dabei durch ihre Ressourcen, Kernkompetenzen und Strategien beeinflusst. Diese Partnerschaften in der Wertschöpfungskette tragen zu einer Veränderung der bestehenden Marktstrukturen im Mobilfunksektor bei, wodurch der Wettbewerb im Mobilfunksektor stark zunimmt und die Marktstrukturen immer undurchsichtiger werden.

 

Übersicht Mobilfunkanbieter in Deutschland (September 2013)