Kosten, Erfolgsfaktoren, Kennzahlen, Scheiterungsgründe, Barrieren

Die besonderen Potentiale mobiler Technologien liegen in der Ausnutzung mobiler Mehrwerte (mobile added values, MAV) begründet. Dabei handelt es sich um typische Eigenschaften mobiler Lösungen, deren Einsatz zu informationellen Mehrwerten führt. Damit beantworten sie die Frage nach den Alleinstellungsmerkmalen mobiler Lösungen: "Was kann MC, was eine Electronic Commerce-Lösung nicht kann?". Dabei liegt das wirkliche Potential mobiler Technologien nicht in der Ausstattung alter Prozesse mit neuen Geräten, sondern in der Möglichkeit, neue Arbeitsweisen aufzubauen und Prozesse neu zu gestalten. Erst der Entwurf neuer Prozesse, die mobile Mehrwerte voll ausnutzen, realisiert entscheidende Verbesserungen (M-BPR). Eine sinnvoll zu realisierende Lösung ist dabei mit all ihren Konsequenzen durch Investitionsrechnung verifizierbar. Ziel muss der Entwurf eines qualitativ hochwertigen Prozesses sein, der die Potentiale moderner Technologie voll ausnutzt und Wettbewerbsvorteile durch entscheidende Verbesserungen bei den Faktoren Zeit, Qualität und Kosten schafft. Dieser neue Prozess zeichnet sich häufig durch Verbesserungen an allen drei Ecken des „magischen Dreiecks“ Zeit - Qualität - Kosten aus. Dies könnte etwa der Fall sein, wenn ein Außendienstmitarbeiter durch die Verwendung mobiler Technologie in 30% aller Fälle Prüfung, Kalkulation und Terminzusage für einen Auftrag bereits vor Ort beim Kunden vornehmen kann. Die folgenden Kategorien sind „typische“ Wirkungen die von mobil-integrierten Geschäftsprozessen ausgehen:
„Hohe Datenqualität“, „Effizientes Dispatching“, „Einsparung von unproduktiver Arbeitszeit“, „Nutzung von Nischenzeiten“, „Lageroptimierung“, „Geringerer (manueller) Kommunikationsbedarf“, „Vermeidung von Medienbrüchen“, „Bessere Einhaltung der Service Level Agreements“, „Schnellere Rechnungslegung“, „Verhinderung von Diebstahl und Missbrauch“, „Nutzeneffekte durch Kontextinformationen, „Bestellmengenoptimierung“ und „erleichterte Dokumentation“.

Auf der anderen Seite können durch den Einsatz mobiler Lösungen auch hohe Einsparungspotentialen auf der Kostenseite generiert werden. Typischerweise können Einsparungen bei folgenden Kostenpunkten erzielt werden:
„Personaleinsatz“, „Fahrzeugeinsatz“, „Kommunikation (z. B. Telefon, Internet)“, „Büromittel (z. B. Papier, Kopierer)“, „Materialverbrauch (durch Fehlproduktionen)“, „Maschinen (unnötige Betriebszeiten, falsche Bedienung/Wartung)“, „Lagerhaltung“, „Kapital (durch verzögerte Fakturierung)“, „Konventionalstrafen (Nichteinhaltung von Verträgen)“, „Fehlkalkulationen, z. B. von Angeboten“, „Dienstleistungen Dritter“, „Opportunitäten (entgangene Aufträge, z. B. durch schlechte Angebotskalkulation)“.

Da heutzutage immer noch sehr viel MIBP-Projekte die Erwartungen und Ziele nicht erfüllen, oder gänzlich scheitern, ist die Bedeutung der richtigen Kennzahlen und der wichtigsten Gründe für das Scheitern dieser Projekte ein bedeutendes Thema. Die folgenden Kennzahlen werden von Experten im Bereich MIBP als die Wichtigsten eingestuft: „Produktivität“, „Datenqualität“, „Kundenzufriedenheit“, „Medienbrüche im Prozess“, „Einhaltung der Service Level Agreements“, „Termintreue“, „Prozesskosten“, „Durchlaufzeit“. Expertenbefragungen haben zudem gezeigt, dass im Gegensatz zu Beratern gerade beim Rest der Befragten ein deutlicher Unterschied bei der Bewertung speziell von Prozesskenzahlen erkennbar ist. Das könnte ein deutliches Zeichen sein, dass bei der Einführung von MIBP die Wichtigkeit aus den angestrebten Prozesszielen abgeleiteten Prozesskennzahlen unterschätzt wird. Dies hätte zur Folge, dass einerseits die Erreichung der Prozessziele nur schwer gemessen werden kann und andererseits keine Vergleichsmöglichkeiten mit dem alten Prozess gegeben sind. Weitere potentielle Gründe für das Scheitern von MIBP-Projekten gehen aus einer anderen Expertenbefragung heraus. Dabei kamen folgende Faktoren heraus, auf die bei der Durchführung von MIBP-Projekten verstärkt zu achten ist:
„Einbeziehung der Anwender in die Anforderungsanalyse“, „Erstellen von Prototypen zu Testzwecken“, „Kommunikation von Veränderungen an die Betroffenen“, „Direkter Nutzen durch Einführung der mobilen Lösung“, „Unterstützung der Geschäftsführung“ „Schulung der zukünftigen Anwender“, „Offene Kommunikation der mit dem Projekt verfolgten Zielsetzung“, „Beachtung von Sicherheitsrisiken der mobilen Lösung“.

Die Tatsache, dass das Augenmerk bei derzeitigen MIBP-Projekten überwiegend auf den traditionellen kritischen Erfolgsfaktoren der Anwender- und Strategieebene liegt, zeigt die Potentiale für eine Erhöhung der Quote erfolgreich abgeschlossener Projekte. Vor allem die Bereiche, welche sich auf technische Aspekte mobiler Lösungen oder deren spezifischen Eigenschaften beziehen, sollten stärker berücksichtigt werden. Hierbei können Modelle wie das Mobility-M helfen, die neben den Gesichtspunkten der allgemeinen Projektmethodik auch speziell für das Vorgehen in MIBP-Projekten zusätzliche Handlungsempfehlungen geben.