Mobile Payment

Seit Mitte der 90er Jahre wurden Anstrengungen unternommen, das Mobiltelefon im Bereich des B2C für Bezahltransaktionen einzusetzen. Diese Art von Verfahren wird als Mobile Payment bezeichnet. Die ersten Bemühungen im Mobile Payment beruhen auf der Tatsache, dass das Mobiltelefon dank seiner speziellen Eigenschaften, seiner weiten Verbreitung in der Bevölkerung sowie des Nutzerverhaltens für Bezahlaktivitäten besonderes geeignet ist. Darüber hinaus zeigt eine Analyse der Mobile-Banking-Dienste, dass, abgesehen von der Kontostandabfrage, sofortige Bezahlvorgänge das stärkste Nutzungsszenario sind.

Forschungsgebiete im Bereich Mobile Payment

Zusätzlich zu der Attraktivität der Technologie, des Entstehens von mobilen Diensten und des gesamten Mobile Commerce im 2.5G Netz wurde es erforderlich, eine Abrechnungsform zu entwickeln, die die gleichen Eigenschaften, vor allem die Allgegenwärtigkeit, wie die abzurechnenden mobilen Angebote, aufweist. Folglich lassen sich für die Ausführung von Mobile-Payment-Verfahren zwei grundsätzliche Aufgaben unterscheiden. Die erste Grundaufgabe erfolgt innerhalb des Mobile Commerce, wo Zahlungen für mobile Dienste so implementiert werden müssen, dass diese vom Anwender idealerweise als nahtlose Teile des Systems wahrgenommen werden. Die zweite Grundaufgabe findet außerhalb des Mobile Commerce statt, indem mobile Bezahlverfahren selbst zu mobilen Diensten werden und die Bezahlfunktionalität in den verschiedenen Szenarien anbieten.

Doch trotz der großen Bedeutung des Mobile Payment seit einigen Jahren für den europäischen Markt, ist dies noch nicht als Bezahlverfahren etabliert. Deshalb gibt es Bemühungen im Rahmen der Öffnet externen Link in neuem FensterInitiative SEMOPS, den europäischen Markt für Mobile Payment vorzubereiten. Dabei fällt auf, dass der europäische Markt eine heterogene Mobile-Payment-Landschaft aufweist. Im Gegensatz dazu zeigt Mobile Payment in Emerging Markets hohes Potential, was auf einen schwach entwickelten  Finanzdienstleistungssektor zurückzuführen ist. Hierdurch erhält das Mobile Payment eine beinahe konkurrenzlose Marktposition als Bezahlverfahren.

Eine Reihe von Untersuchungen bestätigen dennoch ein enormes Marktpotential für mobile Bezahlverfahren in entwickelten Ländern sowie ein hohes prinzipielles Interesse der Nutzer daran. So kann sich laut der repräsentativen Mobile-Payment-Studie im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums jeder zweite Bundesbürger vorstellen, entsprechende Dienste zu nutzen. Dabei spielen vor allem Akzeptanzkriterien für einen erfolgreichen Einsatz eine große Rolle. Dazu zählen zum einen die grundlegenden Anforderungen an ein mobiles Bezahlverfahren, wie beispielsweise Kosten, Sicherheit und Benutzerfreundlichkeit. Zum anderen sind die Nutzungsszenarien, die damit einhergehenden Betragshöhen sowie der Anbieter des Bezahlverfahrens von Bedeutung. Darüber hinaus sind weitere Themen relevant, wie z.B. die Anzahl durchzuführender Klicks, der Kombination mit einem Bonusprogramm und der Vergleich der verschiedenen Bezahlverfahren je Bezahlszenario. Ein zusätzlicher Aspekt für die Nutzung eines mobilen Bezahlverfahrens ist die verwendete Realisierungstechnologie. Dabei muss die Wahl des Bezahlszenarios berücksichtigt und auf die Ziele Usability und „ease of use“ ausgerichtet werden.

Jedoch ist für den Anbieter eines mobilen Bezahlverfahrens das Geschäftsmodell ein erfolgskritischer Faktor. Um dies analytisch sauber darstellen zu können, bietet die Geschäftsmodellierung Analysetools, die als grundlegende Ansätze die Geschäftsmodell- typologie und das Erlösmodell umfassen. Ein Business Modell Framework für das Mobile Payment muss darüber hinaus jedoch noch mehrere weitere Aspekte berücksichtigen. Darunter fallen unter anderem die Anbieterrolle, die Distributionsstruktur, die technische Umsetzung sowie die Marktsituation.
Ein wesentlicher Bestandteil bei der Analyse von Mobile-Payment-Verfahren ist die Frage nach den beteiligten Playern in den betrachteten Bezahlszenarien und deren Marktmacht. Einen Überblick über die Interaktionen und den Wertfluss zwischen den Playern dazustellen, wurde das Mobile-Payment-Referenzmodell entwickelt. Dieses umfasst sowohl die Komplexität als auch die besonderen Eigenschaften von Mobile Payment.